Die vergessene Speicherkarte

„No Card in Camera“ – sofern man es sich nicht ohnehin angewöhnt hat, ausreichend Ersatz mitzuschleppen, ist dieser Satz auf dem Display der Albtraum wohl jedes Hobbyfotografen. Vor allem dann, wenn man fernab jedes Ladens unterwegs ist. Die atemberaubenden Fotos, die ich mir von der Bergwanderung am letzten Urlaubstag erhofft hatte, drohten sich gerade in Luft aufzulösen.

Am Vorabend hatte ich noch mehrere hundert Bilder auf meinen Laptop geladen. Über etwas zu viel Wein war ich so müde geworden, dass ich vergessen hatte, die SD-Karte aus dem entsprechenden Schacht zu entnehmen und wieder in die Kamera zu stecken. Viel zu früh am Morgen dann der eilige Aufbruch – ich war noch gar nicht richtig wach. Ein Mann mittleren Alters aus der Reisegruppe bemerkte mein leises Fluchen und meinen Blick auf die funktionsuntüchtige Kamera. Sofort erfasste er die Situation, griff in seine Kameratasche und förderte eine nagelneue Speicherkarte zutage. Mit einem Taschenmesser befreite er sie aus der Verpackung und reichte sie mir mit einem Lächeln.

Wir kamen ins Gespräch und schnell stellte sich heraus, dass die Fotografie seit vielen Jahren seine Leidenschaft war. Spontan bot er mir ein wenig Nachhilfe an. So bekam ich viele Tipps zu meinen Kameraeinstellungen und ganz allgemein für bessere Fotos. Mir war vorher gar nicht bewusst gewesen, wie viel ich aus meinen Landschaftsfotos noch herausholen kann, wenn ich ein wenig mit ungewöhnlichen Bildausschnitten oder der Schärfentiefe spiele. Wer weiß, ob wir ins Gespräch gekommen wären und ich so viel über Landschaftsfotografie hätte lernen können, wenn die Speicherkarte meiner Kamera nicht im Laptop in meinem Hotelzimmer gesteckt hätte? Dir Karte durfte ich übrigens behalten und benutze sie immer noch.

Trotzdem habe ich aus dieser Geschichte gelernt: Auch wenn es schnell gehen muss, prüfe ich nun immer noch einmal nach, ob die Speicherkarte mit dabei ist, ebenso wie ein geladener Akku. Und falls mal ein technisches Problem auftreten sollte, steckt ab jetzt immer mindestens eine zweite SD-Karte im Fach meiner Kameratasche. Vielleicht kann ich damit ja auch einmal einem netten anderen Fotografen aushelfen.

Fotobox auf der Gewerbemesse

Mit Kollegen einen Tag auf der örtlichen Gewerbemesse verbringen – das ist meist mehr lästige Pflicht als Vergnügen. Aber man muss sich ja bei aktuellen und zukünftigen Lieferanten und Kunden in Erinnerung bringen. Daher bewegten wir uns durch die Ausstellungshalle und schauen rechts und links, ob es irgendwelche für uns interessanten Neuheiten zu sehen gab. Nebenbei begrüßten wir hier und da Geschäftspartner an ihren Messeständen und hielten einen kurzen Plausch.

Vor einer bunt dekorierten Wand stach uns eine weiße Säule ins Auge und wir fragten uns einen Moment, was das wohl sein mochte. Ein junger Mann schien unsere Gedanken lesen zu können und erklärte uns das geheimnisvolle Gerät. Es handelte sich um eine Fotobox aus Karlsruhe, die den Namen POSOMAT trägt. Das weckte unsere Neugierde. Schließlich veranstalten auch wir hin und wieder Firmenevents, für die eine Fotobox eine große Bereicherung sein könnte. In meinem Kopf sah ich bereits Hintergründe für besonders gelungene Inszenierungen vor mir.

Wir probierten also die Fotobox und ihre Handhabung aus. Im Display konnten wir praktischerweise sofort sehen, wie unser Foto anschließend aussehen würde. Das lud zum Experimentieren ein. Wir verbrachten etwas mehr Zeit als geplant am Stand des Posomat und konnten uns erst von der Fotobox trennen, als wir überrascht feststellten, dass sich eine kleine Schlange gebildet hatte. Offenbar hatten unsere Aktionen die Leute neugierig gemacht, so dass sie die Fotobox aus Karlsruhe und ihre Möglichkeiten auch einmal ausprobieren wollten. Gerne überließen wir ihnen den Posomat. Auch sie hatten sichtlich Spaß mit der Fotobox. Das bestätigte uns in unserem Plan, dieses Gerät zukünftig zu buchen.

Wenn wir gewollt hätten, hätten wir die entstandenen Fotos sogar direkt von der Fotobox aus in unserer Accounts in den sozialen Netzwerken hochladen können. Wir entschieden aber schnell, dass uns so nicht jeder sehen müsse. Einige Fotos waren schon gewagt bis peinlich – wir hofften inständig, dass uns kein Geschäftspartner beim Rumalbern vor der Kamera beobachtet hatte. Wir sind zu dem Entschluss gekommen das wir uns in der Zukunft auch einmal eine Fotobox mieten werden.

Stattdessen nahmen wir ganz „old school“ die Ausdrucke unserer Fotobox-Selfies mit. Zum Glück ging das Ausdrucken der Fotos dank des in der Fotobox integrierten Thermosublimationsdruckers extrem schnell. Das sind beste Voraussetzungen, um Kunden Ihre Erinnerungsfotos direkt vor Ort in die Hand drücken zu können.

Die Jagd nach dem Sonnenuntergang

Einen schönen Tag beim Anblick eines faszinierenden Sonnenunterganges ausklingen lassen – wer weiß das nicht zu schätzen?

Die Jagd nach den bunten Farbenspielen am Abend ist ein echter Dauerbrenner bei Fotofreunden. Je spektakulärer, desto besser. Kein Sonnenuntergang ist wie der andere, und so lassen sich mit der Kamera einzigartige Augenblicke für die Ewigkeit festhalten.

Ich selbst nehme mich da nicht aus – ich genieße Sonnenuntergänge mit und ohne Fotokamera in meiner Hand. Während einer Karibik-Kreuzfahrt habe ich eine Gelegenheit für ein Foto verpasst, über die ich mich immer noch ärgere. Unsere Reisegruppe stand am ersten Abend vor dem Bordrestaurant und wartete auf Einlass. Sowohl mein Smartphone als auch meine kleine Fotokamera lagen in der Kabine – zum  edlen Dinner erschienen sie mir unpassend.

Durch das Seitenfenster des Schiffs erblickte ich einen riesigen roten Ball, der im grauen Dunst über der entfernten Skyline von Miami schwebte. So groß hatte ich die Sonne in meinem Leben noch nie gesehen. Ich eilte zu meiner nicht weit entfernten Kabine, fand nur mein Smartphone mit Kamerafunktion und kehrte zurück. Aber wo war die Sonne? Schon untergegangen!

Ein „Once in a Lifetime“-Foto war mir soeben entgangen und ich war untröstlich.

In den folgenden Tagen an Bord des Kreuzfahrtschiffes entdeckte ich, dass sich auch mit meinem recht bescheidenen Equipment recht passable Sonnenuntergangs-Fotos machen ließen. Vor allem dann, wenn sich zu Sonne und Meer einige Wolken gesellten, entstanden Fotos mit dramatischen Lichteffekten. Die Sonne malte dicke Blockstreifen an den Himmel und Bilder in das Wasser. Dazu einige Spielereien mit den automatischen Kameraeinstellungen und der Belichtung – die Foto-Ausbeute konnte sich durchaus sehen lassen.

Auch jetzt suche ich immer noch den großen roten Ball. Ohne entsprechende Filter erscheint bei klarem Wetter auch die röteste Sonne immer noch als weißer oder hellgelber Fleck. Doch auch mitten in Deutschland lassen sich dunstige und neblige Tage zuweilen nutzen, um ganz besondere Sonnenuntergangsfotos zu zaubern.